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7.2 Interne Kontrolle (Modul A)

7.2.1 Verfahren

Die interne Kontrolle gemäß Annex VIII, Modul A, CRA ist das einfachste Konformitätsbewertungsverfahren. Der Hersteller bewertet selbst, ob sein Produkt die wesentlichen Anforderungen erfüllt.

ANWENDBARKEIT

Modul A ist anwendbar für:

  • Standard-Produkte (deren Kernfunktionalität keiner Kategorie in Annex III oder IV entspricht) — stets
  • Klasse I — nur wenn die Bedingungen in 7.2.2 erfüllt sind
  • Produkte der Klasse I und II, die als freie und quelloffene Software gelten und in Verkehr gebracht werden — nach Art. 32 Abs. 5 dürfen sie die Verfahren der Standardkategorie anwenden

Für Klasse II und Kritisch, sofern nicht FOSS, ist Modul A nicht ausreichend: Die Beteiligung eines Dritten ist zwingend, sei es über Modul B+C, Modul H oder ein europäisches Schema für die Cybersicherheitszertifizierung mit dem Vertrauensniveau mindestens substanziell.

EIN STRENGERES VERFAHREN IST IMMER MÖGLICH

Ein Hersteller kann stets ein strengeres Konformitätsbewertungsverfahren wählen als das vorgeschriebene (Art. 32 Abs. 1).

7.2.2 Wann Klasse-I-Produkte die interne Kontrolle nutzen dürfen

Ein wichtiges Produkt der Klasse I erfordert eine Konformitätsbewertung durch Dritte nur dann, wenn der Hersteller einschlägige harmonisierte Normen, deren Fundstellen im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht wurden, gemeinsame Spezifikationen oder europäische Schemata für die Cybersicherheitszertifizierung mit dem Vertrauensniveau mindestens substanziell nicht oder nur teilweise angewendet hat.

DIE ZWEI KUMULATIVEN BEDINGUNGEN

Damit ein Klasse-I-Produkt für die interne Kontrolle in Betracht kommt:

  1. müssen alle anwendbaren Anforderungen einer einschlägigen harmonisierten Norm angewendet werden — nicht nur einige; und
  2. muss der Anwendungsbereich der Norm mindestens alle Cybersicherheitsrisiken der Kernfunktionalität des Produkts abdecken.

Die Lücke zwischen Norm und Produkt

Der Umfang eines Produkts ist häufig breiter als der Anwendungsbereich der einschlägigen harmonisierten Norm, und diese zusätzlichen Funktionen können andere oder zusätzliche Cybersicherheitsrisiken aufweisen.

Der Hersteller ist stets zur Risikobewertung nach Art. 13 Abs. 2 verpflichtet und muss folglich prüfen, ob die Umsetzung der harmonisierten Norm alle Risiken des Produkts abdeckt. Ist das nicht der Fall, muss er auf anderem Wege sicherstellen, dass das Produkt die grundlegenden Anforderungen erfüllt — und im Rahmen seiner Konformitätsbewertungstätigkeiten dokumentieren, welche zusätzlichen Maßnahmen diese Restrisiken behandeln.

DAS KOSTET MODUL A NICHT

Deckt die harmonisierte Norm die Risiken der Kernfunktionalität ab, darf der Hersteller die interne Kontrolle für das Produkt als Ganzes nutzen, einschließlich der Zusatzfunktionen — sofern die zusätzlichen Risiken behandelt und dokumentiert sind.

Beispiel: Eine Antivirensoftware hat die Kernfunktionalität von Software, die Schadsoftware sucht, entfernt oder in Quarantäne verschiebt (Anhang I Nr. 4 der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2392). Sie enthält zusätzlich eine Datenträgerbereinigung und eine Anti-Tracking-Funktion. Der Hersteller führt eine Risikobewertung für das gesamte Produkt durch, wendet eine harmonisierte Norm für die Risiken der Kernfunktionalität an und ergänzt Maßnahmen für die Zusatzfunktionen. Modul A darf für das gesamte Produkt genutzt werden.

Integrierte wichtige oder kritische Komponenten

Dasselbe gilt, wenn das Produkt eine Funktion integriert, die selbst die eines anderen wichtigen oder kritischen Produkts ist. Maßgeblich ist die Kernfunktionalität des Produkts als Ganzes — nicht die isoliert betrachtete Funktionalität integrierter Komponenten.

Beispiel: Ein Hardwareprodukt hat die Kernfunktionalität eines Routers (Anhang I Nr. 12 der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2392) und integriert zusätzlich eine Firewall-Komponente. Das Produkt als Ganzes unterliegt dem Klasse-I-Regime. Der Hersteller wendet eine harmonisierte Norm für die Router-Kernfunktionalität an und kann für die Firewall-Risiken die harmonisierte Norm für Firewalls heranziehen. Modul A bleibt verfügbar.

MODUL-A-BERECHTIGUNG ≠ VOLLE KONFORMITÄTSVERMUTUNG

Die interne Kontrolle nutzen zu dürfen ist nicht dasselbe wie eine Konformitätsvermutung. Die Vermutung reicht nur so weit, wie die Norm die Risiken tatsächlich abdeckt; die Zusatzfunktionen in den obigen Beispielen können außerhalb bleiben. Siehe 1.12 Harmonisierte Normen.

7.2.3 Ablauf der internen Kontrolle

1. Technische Dokumentation erstellen

Gemäß Annex VII CRA muss die vollständige technische Dokumentation vorliegen:

  • [ ] Produktbeschreibung (Template)
  • [ ] Sicherheitsarchitektur (Referenz)
  • [ ] Cybersecurity-Risikobewertung (Template)
  • [ ] SBOM (maschinenlesbar, CycloneDX)
  • [ ] Beschreibung der Schwachstellenbehandlung
  • [ ] Angewandte Normen und Standards
  • [ ] Testergebnisse

2. Anforderungsprüfung (Annex I)

Prüfen Sie jede Anforderung aus Annex I und dokumentieren Sie die Konformität:

Teil I – Sicherheitsanforderungen:

Nr.AnforderungKonformNachweis
1Angemessenes Cybersicherheitsniveau[Verweis auf Dokumentation]
2Keine bekannten ausnutzbaren SchwachstellenCVE-Monitor + Trivy Scan
3.1Schutz der Vertraulichkeit[Verschlüsselung, Zugriffskontrolle]
3.2Schutz der Integrität[Cosign, Checksummen]
3.3Schutz der Verfügbarkeit[Resilienz-Maßnahmen]
4Sichere Standardkonfiguration[Security-by-Default]
5Schutz vor unbefugtem Zugriff[Authentifizierung, Autorisierung]
6Minimierung der Angriffsfläche[Minimale Dienste, Ports]
7Vertraulichkeit gespeicherter Daten[Verschlüsselung]
8Integrität gespeicherter Daten[Integritätsprüfungen]
9Datenminimierung[Nur notwendige Daten]
10Verfügbarkeit wesentlicher Funktionen[Resilienz]
11Minimierung negativer Auswirkungen[Logging, Monitoring]
12Sicherheitsrelevante Informationen[Logging, Audit Trail]
13Sichere Update-Möglichkeit[Update-Mechanismus]

Teil II – Schwachstellenbehandlung:

Nr.AnforderungKonformNachweis
1Schwachstellen ermitteln und dokumentieren (SBOM)SBOM Lifecycle
2Schwachstellen unverzüglich behebenPatch Management
3Regelmäßige Tests und ReviewsCI/CD Security Scans
4Öffentliche Offenlegung behobener SchwachstellenSecurity Advisories
5Koordinierte SchwachstellenoffenlegungCVD Policy
6Sicherheitsupdates bereitstellenUpdate-Mechanismus
7Unverzügliche Bereitstellung von UpdatesPatch Management SLAs
8Kontaktstelle für SchwachstellenmeldungenSECURITY.md

3. EU-Konformitätserklärung ausstellen

Nach erfolgreicher Prüfung:

  • EU-Konformitätserklärung gemäß Annex V erstellen (Template)
  • Von bevollmächtigter Person unterzeichnen
  • Im Repository archivieren

4. CE-Kennzeichnung

  • CE-Kennzeichnung am Produkt oder der Verpackung anbringen
  • Bei Software: In der Dokumentation und ggf. UI anzeigen
  • Muss sichtbar, lesbar und dauerhaft sein

5. Dokumentation aufbewahren

  • Technische Dokumentation: 10 Jahre nach Inverkehrbringen
  • EU-Konformitätserklärung: 10 Jahre nach Inverkehrbringen
  • Speicherort: Dieses Repository (Git-versioniert)

7.2.4 Checkliste: Modul A – Interne Kontrolle

  • [ ] Kernfunktionalität bestimmt und dokumentiert (→ 7.1.2)
  • [ ] Produktklassifizierung durchgeführt (Standard, oder Klasse I mit beiden Bedingungen aus 7.2.2, oder FOSS nach Art. 32 Abs. 5)
  • [ ] Abdeckungslücke zwischen harmonisierter Norm und Produktumfang bewertet und Zusatzmaßnahmen dokumentiert
  • [ ] Technische Dokumentation vollständig (Annex VII)
  • [ ] Cybersecurity-Risikobewertung durchgeführt
  • [ ] Annex I Teil I – alle Anforderungen geprüft und dokumentiert
  • [ ] Annex I Teil II – alle Anforderungen geprüft und dokumentiert
  • [ ] SBOM generiert und archiviert
  • [ ] Schwachstellenbehandlungsprozess etabliert
  • [ ] EU-Konformitätserklärung erstellt und unterzeichnet
  • [ ] CE-Kennzeichnung angebracht
  • [ ] Dokumentation archiviert (10-Jahres-Retention)

Quelle und Rechtsstatus der Auslegungen in Abschnitt 7.2.2: Leitlinien der EU-Kommission zum CRA.

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